img
esma annemon dil
journalist / Author
imgimgimg
  FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG "NACHTS IN BEIRUT"
BEIRUT NIGHTS: PARTIES AND POLITICS: NEW YEARS EVE IN LEBANON
JANUARY 2007

FEATURES / ESSAYS
Nachts in Beirut
Denken sie sich froh!
Ich bin dann weg
Geliebte Monster
Bin ich sÜchtig?
Was ist chic?
morgenland
Fett im GeschÄft
Was Ihr Wollt

vogue psychology
Cherchez L'Homme
Voyeure Des Ich
Lob Der Ausrede
PopulÄR? Bitte Sehr!
Schlaflos In Seattle

PERSONALITIES
Ashton KutcheR
Barbara Sukowa
Demi Moore &
Mario Testino

Helen Ma
Karl Lagerfeld &
Zaha Hadid

Majed al Sabah
Marc Jacobs
Oscar de la Renta
Rodarte
Rosy Abdo

Thomas Kretschmann
Venus Williams
Zac Posen


RED CARPET /
Backstage

ACADEMY AWARDS
World Music Awards
Berlinale
Fashion Week

VOGUE SPECIAL
VOGUE FASHION NEWS

Contact
ABOUT
Home






 
Nachts in Beirut

Auf der Straße dröhnen die Demonstranten, in den Clubs die Bässe, für die arabischen Künstler ist die Stadt der letzte Zufluchtsort: Um wirklich zu verstehen, was im Nahen Osten passiert, muss man nur eine Nacht in der libanesischen Hauptstadt verbringen.

Von Esma Annemon Dil

Als ich in Beirut ankam, ging ich direkt ins "Crystal": Im bekanntesten Club der Stadt verwischen die Spuren des Krieges, die Menschen feiern: Champagnerlaune, hochgereckte Arme, dekoriert mit Schweizer Uhrmacherkunst. "Hi, was denkst du über die Hinrichtung von Saddam Hussein ausgerechnet heute?", sagt einer, den ich nicht kenne. Interessante Anmache. "Habibi, schau dir das an!" Ich sehe den Erhängten auf dem Handydisplay. "I love life!", ruft der DJ, und dann, noch mal auf Französisch, "J'aime la vie!" - "I love life!", ruft die Menge zurück, und das ist nicht nur der Schlachtruf des Beiruter Nachtlebens, sondern auch der Slogan der nach der Ermordung des libanesischen Ministerpräsidenten Rafiq al Hariri entstandenen antisyrischen Bewegung des 14. März, die man hier auch Gucci-Revolution nennt.
Politik und Party liegen dicht beieinander in Beirut. Vielleicht sind dies die letzten Tage vor einem Bürgerkrieg, einige, die die Lage ganz schwarz sehen, behaupten sogar, man werde sich an diese Tage erinnern wie an Teheran 1979, kurz vor der islamischen Revolution. Die letzten Tage der großen Dekadenz. Die letzten Tage der Freiheit. Freunde hatten mich davor gewarnt, ausgerechnet jetzt nach Beirut zu fahren; es sei gefährlich, und es sei nicht mehr so wie damals. Es waren wilde, sorglose Wochen, die ich 2004 an der Levante verbracht hatte; Erinnerungen an Feste bis zum Morgengrauen, in ehemaligen Bunkern oder über den Dächern der Stadt. An Beachclubs mit weißen Sofalandschaften, Cocktails, Massagen. Der Künstler Tony Chakar nennt diese Momente "das gnädige Antlitz von Beirut", das Gelegenheitsbesuchern den Eindruck einer unbeschwerten Stadt vermittelt.
Wie recht er hat: Als ich jetzt, am Abend vor Silvester, in Beirut ankam, trieb das Meer schmutziges Öl an leere Strände, Überreste des letzten Krieges. "Es wäre aber sowieso zu kalt zum Baden", sagt der Taxifahrer, der uns zum Hotel bringt. Wir passierten Straßensperren und Panzer und wurden bis zur Ankunft zweimal kontrolliert. Wenn ich Lust gehabt hätte, noch mal eine Stunde zu fahren, hätte ich an einem Abend zu drei Hochzeitsgesellschaften gehen können; denn all die, die ihre Trauung im Sommer wegen der Bombardements verschieben mussten, holen sie jetzt nach - und das Feiern auch.
"Wer von euch kommt aus London?" Wieder Jubel und viele Hände. "Wer aus Paris? Dubai? New York?", ruft der DJ. Kaum jemand von denen, die im "Crystal" feiern, wohnt noch in Beirut, nur gelegentlich treffen sich die privilegierten Cliquen hier, wenn sie aus den Metropolen der Welt in die Heimat einfliegen. Zwölf Millionen Libanesen befinden sich im Exil, dreimal mehr als im Zedernstaat selbst.
Von den vielen, die vor einigen Jahren mit ihren "Ivy League"-Diplomen und großen Zukunftsvisionen in den Libanon zurückgekehrt waren, emigrierten seit Sommer erneut mehr als hunderttausend. Auch eine meiner Freundinnen lebt jetzt wieder in New York. Noch im vergangenen Juli hatte sie an den Verträgen für ein libanesisches Tourismusprojekt mit dem Volumen von einer knappen Milliarde Dollar gearbeitet, bis plötzlich, mitten in der Hochsaison, der Krieg ausbrach. "Fast alle guten Hotels waren zu diesem Zeitpunkt ausgebucht, es wäre unser bestes Jahr geworden", erzählt Jihane Khairallah Sakr, Geschäftsführerin des "Albergo", am nächsten Morgen beim Tee. "Nachdem alle Gäste von ihren Botschaften evakuiert worden waren, logierten hier bis Weihnachten bloß noch Journalisten und Geschäftsleute. Insgesamt verloren 25 000 Menschen in unserer Branche ihren Job." Das kleine Luxushotel im Stadtteil Ashrafieh konnte auch mit geringerer Auslastung geöffnet bleiben, im Gegensatz zu den großen an der Corniche.
Es ist ein verregneter Tag, den ich am Telefon verbringe, um mich mit denen zu verabreden, die noch hier sind, mit denen, für die Beirut der Fluchtpunkt ist, eine bedrohte Insel der westlichen Lebensweise und Liberalität in der arabischen Welt - kein Wunder, dass Filmemacher, Architekten und Schriftsteller sich hier versammeln. Wie in einem Brennglas treffen sich im Libanon alte Intellektuelle und neue Radikale, und wer begreifen will, was wirklich passiert in der arabischen Welt, muss nur ein paar Tage und Nächte im vom Krieg gezeichneten Beirut verbringen.
Später holt mich eine Bekanntschaft des vergangenen Abends zu einer Party bei seinen Schulfreunden ab. Marc ist Schönheitschirurg in den Vereinigten Staaten und Druse - eine islamische Sekte, die ismailitische und gnostische Ideen verbindet und in die man nur hineingeboren werden kann. "Hier, das ist unsere Zentrale", sagt er und zeigt auf einen Prachtbau mit Säulen. "Innen sieht es ganz schlicht aus, keine Kirche im üblichen Sinn. Mein Vater geht mehrmals die Woche hin, meistens zu Beerdigungen. Sie funktionieren wie ein Cocktailempfang."
Mit Marc fahre ich zu Talal, der Schiit ist, um die dreißig und Unternehmensberater. Wie alle unverheirateten Libanesen wohnt er noch bei seinen Eltern. Auch Akademiker führt erst die Ehe in die Unabhängigkeit - und offenbar wirken der Druck, endlich ein eigenes Leben aufbauen zu wollen, zusammen mit der drohenden Todesgefahr in Beirut stimulierend auf die jüngeren Bewohner der Stadt. "Geht da was?", erkunden Augen aus der Ferne, Hände tasten im Vorbeidrängen und Lippen beim Begrüßungskuss. Der Drang zu überleben entfacht auch andere Triebe. "In unserer Situation herrschen Instinkte über den Wunsch nach Kultiviertheit", wird mir später Nadim Karam, ein in London und Beirut ansässiger Architekt, erklären.
Zu welcher der achtzehn Splitterreligionen des Libanons man gehört, spielt beim Dating keine Rolle; alle müssen tricksen, um eine ganze Nacht miteinander verbringen zu können. "Einerseits nervt diese Doppelmoral, andererseits belebt sie die Beziehung", sagt die Investmentbankerin, die heute Abend auf der Party auf einen Heiratsantrag von ihrem Freund hofft. Erst mal dreht sich aber alles um den Mann, der im Fernseher zu sehen ist. "Ruhe", ruft jemand, "der Hellseher!" Manche zücken Block und Stift, um bei der Live-Übertragung mitzuschreiben. Das Land hängt an den Lippen des prominenten Wahrsagers Michel Hayek; seit er den Absturz der Raumfähre Challenger, den Tod von Prinzessin Diana, die Attentate auf Rafik Hariri und Gebran Tueni sowie die Zwischenfälle des letzten Sommers vorhergesagt hat, lassen sich sogar Politiker und Unternehmer von ihm beraten. Eigentlich wollte der Neununddreißigjährige seine Visionen für 2007 für sich behalten, trat dann aber doch vor die Kamera. Nachdem Hayek gesprochen hat, ist es still. Keine Böller an Silvester, "unser Himmel war schon oft genug unter Beschuss", erklärt Mary, die den christlichen Maroniten angehört und mit Michel Aouns Hizbullah-Koalition sympathisiert. "Achtung, sie ist eine von denen!", sagt Marc, der Druse, und zeigt in Richtung der Demonstranten in Downtown. Ein sunnitischer Computerspezialist schreit: "Terroristin!"
"Du Arsch", erwidert Mary, dann küsst sie ihren Verlobten.
Wir fahren nach Downtown. Die restaurierte Innenstadt wirkt mit ihren Luxusgeschäften unwirklich wie eine Filmkulisse, die Zelte der Demonstranten, die aus allen Teilen des Landes gekommen sind, um gegen die Regierung zu protestieren, sehen aus wie eine Christo-Installation. Eine geschmückte Tanne steht hier für die christlichen Aoun-Anhänger, die man am grellen Orange erkennt. Eine Band spielt, Menschen rauchen Shisha, Kinder spielen Fangen.
Fortsetzung auf der nächsten Seite.
Im Schein der Wunderkerzen sieht man dicke Teppiche in den Zelten, Kissen und Spirituskocher. Campingplatz-Atmosphäre für die Ärmsten, die sonst unsichtbar in den Randgebieten leben. Die Klänge aus Biel am Hafen dringen bis zum Platz der Märtyrer.
Zigtausende feiern dort, in der Hochsicherheitszone, unter dem Motto "I love life". Auch auf dem Fest von Rosy Abdo, die Moderatorin bei Al Dschazira ist, liegen die Flyer der "I love life"-Bewegung mit dem prägnanten Herzen herum. Die Flyer, erzählt einer, wurden von dem bekanntesten Werber der Stadt erfunden, von Eli Khoury, dem Präsidenten von Saatchi & Saatchi Levant - eine Kampagne, die dem wankenden prowestlichen Regierungsbündnis der Sunniten Fouad Siniora und Hariri jr., des Drusen Walid Dschumblatt und des Christen Samir Geagea neuen Aufwind geben soll. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich die junge Generation vor zwei Jahren so kategorisch über ihre Konfession definiert hätte. Gleichzeitig sind die Koalitionen von Regierung und Opposition nicht mehr religiös, sondern politisch motiviert.
 


"Ein ganzes Land und jeder Einzelne ist auf der Suche nach einer Identität. Das reine Überleben kann doch nicht alles gewesen sein. Wir haben große Träume. Eines unserer Probleme ist, dass der libanesische Traum größer ist als der Libanon", sagt Rosys Mann, der Filmemacher Fouad Alayman. Im Hintergrund läuft Latinopop, ein paar Leute tanzen, andere sitzen um den großen runden Couchtisch, eine Zigarette macht die Runde. "Im Ausland ist der Libanese am besten, in der Anhäufung unerträglich", spottet ein Texter mit schwarzem Rollkragenpullover und markanter Brille.
Am nächsten Abend treffen wir zufällig die Tochter des ermordeten Aktivisten Samir Kassir, kurz nachdem wir an der Ampel neben der Erbin des Zeitungsverlags Annahar, Nayla Tueni, standen, deren Vater Gibran vor einem Jahr einem Attentat zum Opfer fiel. Die Narben sind überall zu spüren. "Das Kriegstrauma führt dazu, dass Kunst bei uns entweder als Zeuge oder als Ablenkung funktioniert", sagt auch der Dramaturg und Schauspieler und Videokünstler Rabih Mroué.
Der Krieg ist in Beirut allgegenwärtig, obwohl die offiziellen Kultureinrichtungen ihn zu verdrängen versuchen. In den Museen und den meisten Ausstellungen sucht man vergeblich nach modernen oder zeitgenössischen Exponaten. Überall alte Vasen, Schmuck, Teppiche und andere Handarbeiten, archivierte Heimatkunde. Man hat in den Kriegen die eigene Geschichte verloren und auch vergessen, deshalb die Nostalgie und Orientierungslosigkeit - so versuchen das manche hier zu erklären.
Die Galerie von Andrée Sfeir-Semler, die in Deutschland lebt, gehört zu den Ausnahmen. Viele betonierte Koffer stehen in dem großen weißen Raum - eine Arbeit des Newcomers Rayyane Tabet, dessen Familie jahrzehntelang ihre ständig gepackten schweren Notfallkoffer bei sich führte. Auch eine Installation von Bernard Khoury ist hier zu sehen. Wer seine verfremdete Stadtlandschaft Beiruts auf den acht Bildschirmen in der Multimedia-Skulptur entdecken will, muss sich zu ihr hochziehen lassen. Der neununddreißigjährige Architekt und Objektkünstler ist weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt und gehört zu den wenigen Menschen, die mittags Zigarre rauchen können, ohne neureich zu wirken. "Das politische Chaos hält uns gefangen, weil wir uns nicht von den Clans und Parteien lösen", sagt er, als ich ihn in seinem Studio besuche.
Ich verabschiede mich und treffe gleich den nächsten Herrn Khoury; offenbar ist der Name so etwas wie Müller oder Schmidt im Deutschen. Elias Khoury leitet die Literaturbeilage der Zeitschrift "Annahar" und gehört zu den einflussreichsten arabischen Schriftstellern und Kommentatoren. Die nächsten Monate wird er an der New Yorker Columbia University lehren. "Wir sind die Opfer der Opfer", erklärt er die Beziehung seines Landes zu Israel. "Beide Seiten müssen begreifen, dass den anderen zu zerstören immer bedeutet, sich selbst zu zerstören. Solange das nicht klar ist, bleiben wir dekonstruierte Seelen in einer dekonstruierten Gesellschaft." Für andere Staaten sei ein instabiler Libanon als Drehscheibe politischer Transaktionen nützlicher als ein gefestigter. "Weder unsere arabischen Nachbarn noch westliche Mächte haben ein Interesse daran, dass sich unsere Situation verbessert." In dieser Hinsicht ist die intellektuelle Linke mittlerweile nicht mehr weit von der Position des Hizbullah-Führers Hassan Nasrallah entfernt, bemüht sich aber zum Glück stärker um einen Konsens mit Israel.
Warum gewinnen radikale Konzepte im einst pluralistischen Libanon immer mehr an Boden? Ich treffe Ahmad Haydar. Er ist einer der Ingenieure, die für die Hizbullah die Zerstörungen des vergangenen Sommers bemessen haben. Er führt mich durch die ausgebombten Straßenzüge der südlichen Vorstädte. Noch immer türmen sich dort Trümmer und verrottendes Mobiliar. Ein Telefonhörer hier, eine verkohlte Puppe da. "Die ersten Wochen stank es hier erbärmlich nach verwesenden Leichen, Lebensmitteln und aufgerissener Kanalisation", erinnert er sich. "Die Regierung hat den Menschen nicht geholfen. Wer weiß, wo die Spendenmilliarden abgeblieben sind?" Dafür habe Iran über die Hizbullah jedem zerstörten Haushalt innerhalb weniger Tage zwölftausend Dollar überwiesen. "Und wer heute in der Innenstadt demonstriert, bekommt noch einmal sechzig Dollar pro Tag."
So wird Politik gemacht, vor allem gegen Israel und die prowestliche Regierung. Sechzig Dollar sind viel Geld. Für sechzig Dollar skandieren die Armen auch schon mal Parolen mit, die am Ende zur Rückkehr der syrischen Macht in den Libanon führen. Zum Ende einer Freiheit, die aber nie die Freiheit aller war, sondern nur die Freiheit einer Elite, deren Jeunesse dorée feiert, was das Zeug hält, während die Armen nicht mal Strom in ihren Häusern haben.
Wir fahren zu Ahmad Haydar nach Hause: Er wohnt in einem Penthouse, in dem uns seine junge, verschleierte Frau bewirtet. Ihre Pfennigabsätze hallen auf dem Marmorboden. "Wissen Sie, dass Rafik Hariri vor seinem Tod ein Geheimabkommen mit Nasrallah eingegangen war, wonach er für die Wirtschaft und die Hizbullah für die Verteidigung zuständig sein sollte? Welches Interesse hätten wir an seinem Tod gehabt?", doziert Haydar. "Der schwache Fouad Siniora lässt sich vom Westen leichter instrumentalisieren. Es wird Zeit für eine einheitliche Regierung; eine Koalition aus der bestehenden und der Opposition." Er spricht schnell und aufgebracht über die Geschichte des Konflikts und die Zukunft und versucht mich nach Kräften zu beeinflussen. Aber mitten in der Unterhaltung kommt sein siebzehnjähriger Sohn Mohammad ins Zimmer; er studiert BWL, trägt lange Locken und Converse-Schuhe und sieht aus wie der perfekte amerikanische Highschoolboy. "What's up?", sagt er mit amerikanischem Akzent; bald will er in die Vereinigten Staaten, seinen Master machen. Man ist flexibel im Umgang mit der Kultur des politischen Gegners.
Später holt mich der Musikproduzent Guy Manoukian ab. "Warum warst du Silvester nicht im B018?", fragt er. "Unsere Party war die beste. Stripperinnen kamen in einem Käfig herunter. Skandal! Topless ist im Libanon verboten. Ganz Arabien spricht darüber!" Wir fahren nach Gemmeyzeh, in die Ausgehmeile, die nur wenige Minuten von den Demonstrationen entfernt liegt. Beautysalons hinter Natodraht: Die Extreme sind in Beirut aufs absurdeste miteinander verflochten, und man kann nur hoffen, dass dies nicht die letzten Tage des großen Festes sind, das Beirut einmal war.
Kastentext:
Tanzen auf dem Vulkan
Beirut ist ein Symbol für die Vernichtung der arabischen Welt. Allein der Libanon-Krieg 2006 kostete mehr als 1100 Menschen das Leben. Gut zwölf Millionen Libanesen befinden sich im Exil, dreimal mehr, als im Zedernstaat selbst leben. Doch die Stadt ist immer noch der Fluchtpunkt für Intellektuelle, die hier die Überbleibsel der Utopie einer modernen, liberalen arabischen Gesellschaft suchen und eine bedrohte Kultur pflegen. Und weil dies möglicherweise die letzten Tage der Freiheit sind, haben Intellektuelle und Radikale den Jahresanfang besonders ausgiebig gefeiert.


Bildunterschrift: Außenposten des Westens: In der Nacht auf den 1. Januar 2007 wird im Beiruter Club "B018" getanzt. Am nächsten Morgen dröhnen schon antiwestliche Demonstranten durch die Straßen.
Foto AFP.
Foto Reuters.
Das Gesicht der Nacht: In der Dunkelheit, wenn die Lichter angehen, ist Beirut am schönsten - aber die Bedrohungen verschwinden auch dann nicht. Foto Guido Alberto Rossi/Bildagentur-Online

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
   
img img img img img