Das letzte Risiko, Brooklyn
Wir sitzen schweigend nebeneinander, ohne uns anzuschauen. Sitzen
regungslos. Er verzichtet darauf zu erfahren, wo ich hinmöchte. Spielt es
eine Rolle? Der Regen wird stärker, und ich beobachte die Tropfenmuster
an der Scheibe. Was wird aus uns beiden werden? Verführer. Versager.
Alleinunterhalter. Angeber. Zauderer. Zuhörer. Schwatzende.
Schwitzende. Lügende. Liebende. Totschläger. Tote? Sich einem Mann
auszuliefern, statt zu berechnen und zu kontrollieren, wäre neu.
Natürliche Selektion, Genf
Während Alpha-Samen „Ichichich!“ schreiend zum Ziel rasen, waren
Theodors Spermien entweder schwanzlos, kopflos, ruderten im Kreis oder
waren nett zueinander, lasen sich gegenseitig aus dem Literaturteil vor,
hielten sich die Tür auf. Nettes Sperma ging gar nicht, genauso gut konnte
man in Wasser pflügen.
Fleischpeitschen, Mexiko City
In Bierkrügen dümpelt ein Agavensaft namens Pulque, der wie Sekret
aussieht und nach Mango und Zahnbelag schmeckt. Die Schnepfe mit den
Eisschnellläuferbeinen gackert fröhlich, weil sie sich das ganz alleine
ausgedacht hat. Wir maulen lautlos hinter unseren Grinsefassaden, ich
sehe den anderen an, dass sie auch lieber in den Hotelpool gesprungen
wären, statt zu einer Insel zu schippern, an deren Bäumen verblichene
Puppen baumeln wie in einem Horrorfilm.